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Krisenintervention

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In Krisenländern drängt sich immer öfter der Aufbau einer entwicklungsorientierten Nothilfe auf. Dabei stehen Maßnahmen im Vordergrund, die der sozialen Entspannung dienen. Nebst den eigentlichen Nothilfeaufgaben gehört dazu die Verbesserung der Mediationskapazitäten, die Schaffung so genannter Friedensinseln und die Umsetzung therapeutisch orientierter Konfliktinterventionsprogramme. Mit all diesen Maßnahmen wird versucht, die kommunikativen Kapazitäten zu stärken, um so die Gewaltbereitschaft zu senken.

Die aktuelle Diskussion zu Fragen der Krisenprävention und der Konfliktbearbeitung ist jedoch noch sehr vom funktionalen, symptombezogenen Ansatz geprägt. Unmittelbar auftretende Konflikte beilegen und Wege öffnen zu können, die es den Betroffenen erlauben, zu einer mehr oder weniger lebbaren, friedlichen Koexistenz zurückzufinden, ist das eine; die politische Geschichte lehrt jedoch, dass der zeitliche Wirkungsradius solcher Maßnahmen viel zu gering ist, wenn nicht gleichzeitig die gesellschaftlichen Brüche aufgegriffen und kontinuierlich bearbeitet werden, die in einem unmittelbaren, vielleicht aber auch nur mittelbaren Zusammenhang zum aufgetretenen Problem stehen. Das dem friedenspolitischen Ansatz zugrunde liegende strukturbezogene und ursachenorientierte Denken wird – aus welchen Gründen auch immer – in der internationalen Diskussion zur Krisenprävention noch zu wenig berücksichtigt. Es folgt einer anderen Logik als der einer am unmittelbaren Konfliktgeschehen orientierten zeitlichen Abfolge, bei welcher wie in Rechtskonflikten die anzuwendenden Instrumente auf die Vorphase, die Verhandlungsphase und die Nachsorge abgestimmt werden. Probleme der kulturellen Entfremdung, des staatlichen Legitimationsdefizits, der innergesellschaftlichen Kommunikationslücken, der fehlenden vertikalen Kohärenz, der gesellschaftlichen Fragilität von Gouvernanz usw. haben mit der zeitlichen Abfolge von akuten Konflikten grundsätzlich überhaupt nichts zu tun, auch wenn auftretende Konflikte solchen Problemen a posteriori eine Zeitlichkeit unterlegen. Sie haben vielmehr mit Fragen der Friedenssicherung zu tun und es ist dem Büro ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass Friede wesentlich mehr ist als die bloße Abwesenheit von Krisen. Friede ist ein gesellschaftlicher Zustand, der Krisen erträgt, weshalb es ein Fehler wäre, Fragen der Friedenssicherung nur im Zusammenhang mit der Abwehr einer nicht wünschenswerten Situation (Konfliktbearbeitung und Krisenprävention) darstellen und behandeln zu wollen.

 

Die gegenläufigen Ziele der Konfliktparteien erschweren es jedoch, Ansprechpartner für alle zu bleiben. Nirgends ist es so offensichtlich, dass auch Entwicklungsorganisationen bedeutende soziale und politische Akteure sind, wie in Gesellschaften, die daran sind, auseinander zu brechen. Die Art, wie sich eine solche Organisation öffentlich positioniert und welche kommunikativen Maßnahmen sie ergreift, wird deshalb auch zu einer Frage ihrer Existenz.

 

Beispiel 1

Seit vielen Jahren ist die GTZ in der Demokratischen Republik Kongo tätig. Der staatliche Zerfall des ehemaligen Zaïre’s führte zum Zusammenbruch der Kommunikationsstrukturen (Strassen, Telefonverbindungen, Nachrichtendienste) und zur Bildung politisch schwer kontrollierbarer Verbände. Das Büro wurde beauftragt, in einem ländlichen Regionalentwicklungsprojekt der GTZ einen regionalen Zusammenschluss verschiedener NGOs beim Aufbau des ersten Bauernradios zu beraten (Programmgestaltung; Journalistenausbildung; Produktionsplanung; wirtschaftliche Absicherung; Institutionalisierung von Monitoring und Evaluation etc.). Ziel war es, ein entwicklungspolitisch orientiertes Sendegefäß zu schaffen, das die Informations- und Kommunikationsbedingungen der Bauern verbessert, die öffentliche Stellung der verschiedenen Entwicklungsprojekte sichert und den Einfluss kriegstreibender Gruppen schmälert.

Ethnologische Kenntnisse über den Aufbau der vorkolonialen Sakralmonarchien erlaubten den Rückgriff auf kulturell tief verankerte Wertvorstellungen. Kulturtypische Rollenbilder des neugierigen und friedfertigen Verhaltens konnten in Radiosendungen operationalisiert werden. Dadurch gelang es, Aufgaben, Rollen und Ziele der ländlichen Entwicklungsprojekte in die bäuerliche Logik zu übersetzen und die entwicklungspolitisch relevanten Inhalte öffentlich transportierfähig zu machen. Die so erzeugten Dynamiken verbesserten die Feedbackstrukturen im Projektumfeld, führten zu einer stärkeren Einbindung ländlicher Selbsthilfegruppen und schmälerten den Einfluss kriegstreibender Kräfte. Das Aufflammen ethnischer Konflikte in Burundi und Rwanda und die darauf folgenden Flüchtlingsströme führten jedoch zu Schwierigkeiten im Umgang mit der Trägerkonstellation und zu einer Neupositionierung der GTZ im Umgang mit NGO-Betreibern.

 

 

 

 

Beispiel 2

Auftrag 1

Nach dem Sturz Mobutu’s, der Machtübernahme Kabila’s und der nachfolgenden Invasion der aus Rwanda und Uganda operierenden Rebellen ist der Kongo in eine schwere facettenreiche Krise geraten. Im Rahmen einer Verlaufskontrolle des Projektes “Ländliche Ent­wicklung Kabare” (Ost-DR Kongo/Ex-Zaïre) wurde das Büro von der GTZ gebeten, anhand einer empirischen Studie den Einfluss der durch politische, wirtschaftliche und militärische Krisen gekennzeichneten Rahmenbedingungen auf Projektdurchführung und Zielgruppenerreichung zu überprüfen.

Das Büro führte eine Dorfbefragung durch, die ein aufschlussreiches Bild über die facettenreichen, lokalen Ausprägungen der anhaltenden militärischen, politischen und wirtschaftlichen Krisen vermittelt. Sodann wurde geprüft, ob und wie die Ziel­gruppen des Projektes unter den gegebenen Rahmenbedingungen überhaupt erreicht werden können, um das bestehende Leis­tungsangebot auf die aktuellen Bedürfnissen der Zielgruppen neu abzustimmen.

 

Auftrag 2

Das BMZ folgt den Empfehlungen zur Entwicklung eines an der Nothilfe orientierten Krisenpräventionsprogramms und rät zu einem koordinierten Vorgehen mit den Kirchen („basket-funding“). Das Büro wird mit der Konzeptionalisierung eines neuen eigenständigen Krisenpräventionsprogramms beauftragt. Über den Aufbau einer einfach zu verwaltenden Fonds-Struktur werden die Selbsthilfekapazitäten lokaler Kleinstinitiativen gefördert und in Zusammenarbeit mit den Kirchen wird sichergestellt, dass die bereitgestellten Mittel möglichst direkt den Notleidenden zukommen.

 

 

 

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